Kraftwerk Schwarze Sulm

Die Schwarze Sulm ist eine der letzten ungezähmten Flüsse Österreichs. Ein echtes Kleinod. Nicht nur die Menschen in der Region schätzen die rauschenden Wasserfälle in den idyllischen Waldschluchten.

Wegen ihrer herausragenden ökologischen Bedeutung wurde die Schwarze Sulm 2002 als europäisches Natura 2000–Gebiet ausgezeichnet. Außerdem sind 2 Strecken der Schwarzen Sulm auch als Naturdenkmäler ausgewiesen: eine kurz nach der Einmündung des ebenfalls ökologisch höchst wertvollen Seebachs und eine ca. 7,5 km weiter flussabwärts. Die Schwarze Sulm ist außerdem seit 1998 ein „Flussheiligtum“ gemäß der damaligen gemeinsamem Kampagne des Umweltministeriums mit dem WWF und ihr wird im betroffenen Gewässerabschnitt laut dem „Nationalen Gewässerbewirtschaftungplan“ ein „sehr guter ökolologischer Zustand“ attestiert. Die Schwarze Sulm entspringt auf der Koralpe, die ebenfalls in besonderer Hotspot der natürlichen Vielfalt ist: während der Eiszeit war die Koralpe nämlich weitgehend eisfrei geblieben. Und das kam vielen Arten zugute, die anderso ausgestorben waren.

Doch damit könnte es bald vorbei sein, denn ein Kraftwerks- und ein Pumpspeicher-Projekt bedrohen diese bedeutendsten Naturschätze in unserer weststeirischen Heimat!

Zwei Investoren wollen an der Schwarzen Sulm ein Kleinkraftwerk errichten, das dem Fluss einen großen Teil seines glasklaren Gebirgswassers rauben könnte. Der positive naturschutzrechtliche Bescheid von 2006 sieht ausserdem die Errichtung eines Trinkwasserkraftwerks vor, dass das Wasser des Seebachs fassen soll.
Sollten diese Investoren tatsächlich durchsetzen, dann würde hier das erste Kraftwerk in einem österreichischen Europaschutzgebiet entstehen. Und das könnte in ganz Österreich Nachahmer auf den Plan rufen…

Hier die Eckdaten zum geplanten Kleinkraftwerk (mit dem großen Schadenspotential für unsere Natur):

Engpassleistung: ca. 5 MW. Damit fällt die geplante Anlage unter die Klassifikation „Kleinwasserkraftwerk“.
Derzeit ist eine Umsetzung aber nur mit max. 3.000 KW möglich, aufgrund der Begrenzung des nachgelagerten 20 kV-Netzes.

Regelarbeitsvermögen: 17,9 GWh/a. Das sind nicht einmal 5 Promille (!) der steirischen Wasserkraft–Erzeugung (2009: 3.359 GWh/a).

Voraussichtliche Fördersumme aus dem Topf des Ökostromgesetzes (!): ca. 3 Mio €

Länge der Rohrleitung für die Wasserableitung zum Kraftwerk: für das geplante Kraftwerk wird der Fluss an einer Strecke von 12 Kilometer teilweise abgeleitet.

Restwasser: bis zu 65% des ankommenden Wassers könnte für das Kraftwerk entnommen werden. Die Schwarze Sulm würde dadurch zu einem Gerinne mit nur mehr 35% ihrer natürlichen Wasserfülle degradiert.

Trinkwasserkraftwerk: per naturschutzrechtlichem Bescheid aus dem Jahr 2006 wurde gleichzeitig ein Trinkwasserkraftwerk genehmigt. Auf Seite 115 dieses Bescheides sind Angaben der Projektwerber unter dem Titel „Sicherung der Trinkwasserversorgung“ nachzulesen, wonach Trinkwasser im Umfang von jährlich 2.838.240 EUR (also knapp 3 Mio EUR / Jahr!) verkauft werden soll. Etliche Quellen im Gebiet der Schwarzen Sulm werden von de Investoren (die dort gleichzeitig auch Grundbesitzer sind) bereits zur Trinkwassergewinnung genutzt. Viele Menschen in der Region haben daher die große Sorge, dass durch das Kraftwerk ein großer Teil es derzeit noch öffentlich fliessenden Wassers „privatisiert“ und teuer verkauft werden könnte. Nach starker Kritik an diesen „Wasser-Privatisierungsplänen“ bestreitet die Projektwerberseite die geplante Trinkwassernutzung zwar mittlerweile, die  naturschutzrechtliche Genehmigung für die Trinkwassernutzung ist aber nach wie vor aufrecht…

Genehmigungsverfahren: im Zuge der behördlichen Genehmigungsverfahren kam es zu einer Reihe von bemerkenswerten Vorgängen: Es wurden Sachverständigengutachten vom Tisch gewischt und statt dessen Gutachten des Projektwerbes für einen Bescheid herangezogen (Naturschutzverfahren). Die Gewässergüte der glasklaren (und trinwassertauglichen! – siehe oben) Schwarzen Sulm wurde auf von 1 auf 2 herabgestuft – augenscheinlich um das von der EU vorgeschriebene „Verschlechterungsverbot“ zu umgehen und so das Kraftwerk leichter genehmigen zu können. Grundbesitzer erfuhren zufällig (aus einem einem Dokument beigelegten Plan), dass über ihren Grund die Druckrohrleitung für das Kraftwerk verlaufen soll. Es wurde aber trotzdem keine Parteinstellung zuerkannt, weil der Grund in einem uralten Steuerkataster aus der Zeit Maria Theresias nicht aufscheint.
Dadurch entstand für viele Menschen die Optik, dass die Behörden oftmals im Interesse der Projektwerber entschieden haben.

An einem Fluss mit dieser ökologischen Qualität ist der Bau ein naturverträgliches Kraftwerks nicht möglich. Die Schwarze Sulm liegt österreichweit an sechst-bester Stelle hinsichtlich „flusstypspezifisch erhalten geblieben“ (=unberührt). In der Steiermark verfügt nur die Salza über eine noch längere freie Fließstrecke aus dieser Kategorie – diese gehört aber sowohl einer anderen biozönotischen Region, als auch einer anderen geologischen Großeinheit an…